Grand Prix von Italien: Forza Kimi – Silber ist das neue Rot

Elmar Brümmer | 07.09.2026

Monza hat seinen italienischen Helden bekommen – nur trägt er Silber statt Rot. Kimi Antonelli stürmt von Startplatz 19 zum Sieg, baut seine WM-Führung aus und schreibt im Ferrari-Land ein neues Kapitel italienischer Motorsportgeschichte. Die Tifosi feiern ihn, während die Scuderia erneut mit sich selbst hadert.

Monza Antonelli

Triumph und Tragödie liegen in Monza traditionell eng beieinander. Kaum eine andere Rennstrecke verkörpert die beiden Pole der Formel 1 so eindrücklich wie das Autodromo Nazionale. Beim Grossen Preis von Italien verschieben sich die Grenzen allerdings: Die Tifosi feiern nicht Ferrari, sondern einen Mercedes-Fahrer. Kimi Antonelli gewinnt seinen siebten Saisonlauf, baut damit seine WM-Führung weiter aus und ist nach Siegen bereits der zweitbeste Italiener der Formel-1-Geschichte – und das in seinem erst zweiten Jahr in der Königsklasse.

«Unser Held, ein italienischer Held», jubelt Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Ist dieser 20-jährige Rennfahrer aus Bologna überhaupt noch zu stoppen? Sein Ritt aus der letzten Startreihe bis ganz nach vorn ist ein eindrückliches Zeugnis seines Talents und seiner Entschlossenheit. Oder, wie es Ex-Weltmeister Nico Rosberg auf den Punkt bringt: «Wie Schumacher!»

Vielleicht hat Antonelli in Monza sogar eine Vorentscheidung im Titelkampf erzwungen. Sein Teamkollege und bislang schärfster Rivale George Russell, der lange wie der sichere Sieger aussah, muss sich am Ende mit Rang zwei begnügen. Noch schwerer wiegt die Enttäuschung bei Lewis Hamilton: Der Rekordweltmeister und Ferrari-Favorit auf den Heimsieg kommt nicht über Platz sechs hinaus und verliert weiter Boden. Titelverteidiger Lando Norris liegt bereits mehr als 100 Punkte zurück.

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Italien träumt weiter – nur nicht mehr in Rot, sondern in Silber. Zehntausende Tifosi bejubeln Antonelli im Ziel, statt die erneut enttäuschende Vorstellung der Scuderia in technischer und strategischer Hinsicht zu betrauern. Ferrari-Teamchef Frédéric Vasseur leistet Abbitte: «Es tut mir sehr leid. Ich freue mich für Kimi, das ist für die Tifosi positiv. Sie bringen so viel Energie und Enthusiasmus mit, wir wollten ihnen etwas zurückgeben.»

Was für ein Trubel und Taumel! Der Grand Prix beginnt mit einer Beinahe-Kollision der beiden Ferrari, kurz darauf kracht Charles Leclerc in die Reifenstapel. Während die Scuderia mit sich selbst kämpft, startet Antonelli seine Aufholjagd: von Platz 19, mit frischen Reifen, kämpft er sich durch das Feld und nimmt schliesslich auch Russell ins Visier. Kurz vor Schluss sorgt ein von seinem Teamkollegen erzwungener Ausritt in den Kies noch einmal für eine Schrecksekunde. Fast geht dabei die sensationelle Pole-Position von Pierre Gasly vergessen. Der Alpine-Pilot bringt seinen siebten Startplatz immerhin ins Ziel.

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Das grösste Kompliment erhält Antonelli ausgerechnet von seinem geschlagenen Teamkollegen. «Er fährt eine unglaubliche Saison und verdient diese klare Führung», sagt Russell. «Ich denke im Moment nicht einmal daran, mit ihm um den Titel zu kämpfen, sondern nur von Rennen zu Rennen.» Nach seinem risikoreichen Duell mit Antonelli wird sich Russell solche Hahnenkämpfe trotz gegenteiliger Ansagen vom Kommandostand künftig wohl kaum noch leisten können. Mercedes muss sich jetzt voll auf seinen Zauberlehrling konzentrieren.

Der bleibt erstaunlich nüchtern. «Wir müssen einen kühlen Kopf bewahren», sagt Antonelli fast schon weltmännisch. Natürlich weiss er, dass er sich in Monza einen Traum erfüllt hat. Sein Mentor Toto Wolff hat derweil keinerlei Sorge, dass sein Schützling übermütig werden könnte. Die Familie sorge dafür, dass der junge Italiener mit beiden Beinen auf dem Boden bleibe.

Für Wolff ist der Triumph auch ein persönlicher Erfolg. «Der kleine Italiener, an den zu Anfang niemand geglaubt hat. Vor zwei Jahren hat er im freien Training hier das Auto noch in die Mauer geworfen. Jetzt stand er über allen anderen.» Treffender lässt sich die Entwicklung des jungen Italieners kaum beschreiben.

Monza hat damit seinen italienischen Sieger bekommen. Nur trägt er eben Silber statt Rot. «Zusammen mit Jannik Sinner ist Kimi Antonelli der grösste Sportler, den wir momentan in Italien haben», sagt Alpine-Teamchef Flavio Briatore. Forza Kimi!

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Grosser Preis von Italien in Monza
13. Lauf zur Formel-1-Weltmeisterschaft 2026


RangFahrerTeamZeit/Rundenrückstand
1Kimi AntonelliMercedes1:51:15.281
2George RussellMercedes+3.857 s
3Max VerstappenRed Bull Racing+14.718 s
4Lando NorrisMcLaren+19.056 s
5Oscar PiastriMcLaren+19.253 s
6Lewis HamiltonFerrari+24.655 s
7Pierre GaslyAlpine+27.351 s
8Arvid LindbladRacing Bulls+45.136 s
9Franco ColapintoAlpine+47.353 s
10Yuki TsunodaRed Bull Racing+58.187 s
11Gabriel BortoletoAudi+1:05.187 min
12Nico HülkenbergAudi+1:06.187 min
13Carlos SainzWilliams+1:14.117 min
14Liam LawsonRacing Bulls+1:15.609 min
15Oliver BearmanHaas+1:18.958 min
16Esteban OconHaas+1 Runde
17Alexander AlbonWilliams+1 Runde
18Sergio PérezCadillac+1 Runde
19Valtteri BottasCadillac+2 Runden
DNFLance StrollAston MartinAusfall
DNFFernando AlonsoAston MartinAusfall
DNFCharles LeclercFerrariAusfall

Stand der Fahrerweltmeisterschaft nach 13 Läufen

RangFahrerTeamPunkte
1Kimi AntonelliMercedes267
2George RussellMercedes201
3Lewis HamiltonFerrari191
4Lando NorrisMcLaren171
5Charles LeclercFerrari155
6Max VerstappenRed Bull Racing127
7Oscar PiastriMcLaren116
8Isack HadjarRed Bull Racing71
9Liam LawsonRed Bull Racing51
10Pierre GaslyAlpine41
11Arvid LindbladRacing Bulls29
12Franco ColapintoAlpine21
13Oliver BearmanHaas F1 Team18
14Gabriel BortoletoAudi10
15Nico HülkenbergAudi6
16Carlos SainzWilliams6

Stand der Konstrukteurswertung nach 13 Läufen

RangTeamPunkte
1Mercedes468
2Ferrari346
3McLaren287
4Red Bull Racing204
5Racing Bulls75
6Alpine62
7Haas F1 Team21
8Audi16
9Williams11
10Aston Martin3
11Cadillac0

Fotos: Mercedes-Benz

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