Elmar Brümmer | 24.08.2026
Der Grosse Preis der Niederlande ist nun Formel-1-Geschichte, doch die chaotische Abschiedsvorstellung der Königsklasse in Zandvoort ist ein Versprechen für die nahe Zukunft: Die zweite Saisonhälfte hat mit heftigen Paukenschlägen begonnen.
McLaren ist das Comeback-Team der Saison. Der zweite Erfolg von Weltmeister Lando Norris in Folge kommt angesichts seines grossen Rückstands auf WM-Spitzenreiter Kimi Antonelli zwar mutmasslich zu spät für eine Titelverteidigung, doch die konsequente Weiterentwicklung beim Traditionsrennstall setzt Mercedes unter Druck.
Denn bei den Silberpfeilen kommen die Updates eher zögerlich und spärlich. Wenn die Papaya-Fraktion hingegen neue Teile ans Fahrzeug bringt, scheint das auf Anhieb zu funktionieren. Auch der nervlich nicht immer stabile Norris scheint durch die wachsende technische Sicherheit neue Stärke zu gewinnen.
Max Verstappen will mit seiner vorzeitigen Vertragsverlängerung um zwei weitere Jahre bis 2030 bei Red Bull Racing endlich wieder Ruhe reinbringen. Der Plan des österreichischen Konzernteams ist ein technischer und personeller Neustart rund um den vierfachen Weltmeister.
Damit rückt der 28-Jährige nicht nur in die allerhöchste Gehaltsklasse, sondern auch in eine neue Rolle: Er ist Fahrer und Führungspersönlichkeit zugleich. Das Team und der Niederländer müssen sich gegenseitig aufrichten.
Bei seinem letzten Heimspiel war sein Dienstwagen nur Mittelmass, dazu unterlief ihm Ende der ersten Runde auf der noch feuchten Piste ein Fahrfehler – spektakulär krachte er in die Banden und machte so unfreiwillig den Auftakt zu einer Vielzahl von Irrungen und Wendungen im zwölften WM-Lauf.
In einem sich vorerst auf Mercedes und Ferrari konzentrierenden Titelkampf ist die Stallorder zurück – und damit die Diskussion. Lewis Hamilton, bislang härtester Verfolger von Kimi Antonelli in der WM-Gesamtwertung, forderte mehrfach vom Ferrari-Kommandostand, dass ihn der langsamere Kollege Charles Leclerc vorbeilassen solle.
Der Monegasse aber blieb stur und ignorierte sogar eine Anweisung zum Boxenstopp. Tatsächlich fehlten Hamilton durch die Verweigerungs- und Verzögerungstaktik am Ende die entscheidenden Hundertstel für den Sprung aufs Podium. Sarkastisch kommentierte der Viertplatzierte: «Toll gemacht, eine grossartige Art, wertvolle Zeit zu verschwenden ...»
Damit gärt es in Maranello wieder. Der Brite wird seinem Ärger intern und bei Ferrari-Boss John Elkann Luft machen. Er will sich durch Ferraris fortgesetzte Taktikschwäche nicht um die Chance auf seinen achten Titel bringen lassen und fordert eine Aussprache. Momentan liegt er, gleichauf mit dem in Zandvoort drittplatzierten George Russell, 59 Punkte hinter Kimi Antonelli.
Mercedes muss neben seinem Entwicklungsrückstand ebenfalls aufpassen, dass der normale Konkurrenzkampf zwischen seinen Fahrern nicht eskaliert.
Als der am Ende zweitplatzierte Antonelli zwischenzeitlich nach hinten gerutscht war, wollte der wiedererstarkte Russell seine Position gesichert haben. Der junge Kollege, der ihm bislang den Schneid abgekauft hatte, würde diesmal ja nicht um den Sieg fahren.
Mit Blick auf die Gesamtsituation wurde dem Briten dann doch befohlen, Antonelli vorbeizulassen. Das Geplänkel und die Diskussionen hätten fast dafür gesorgt, dass Hamilton beide überholt hätte.
Auch hier droht weiterer Ärger, den Mercedes-Teamchef Toto Wolff mit reiner Logik vermeiden will: «Wenn wir untereinander gegeneinander kämpfen, verlieren wir Punkte.»