Elmar Brümmer | 05.10.2026
Für ein eigentlich nur als Ersatz-Grand-Prix gedachtes Rennen lieferte der Grosse Preis von Bahrain, ausgetragen in Sepang/Malaysia, eine Menge Gesprächsstoff: Ein Wolkenbruch sorgte für dreieinhalb Stunden Formel-1-Unterhaltung.
Sieger Max Verstappen und der drittplatzierte Lewis Hamilton frotzelten über ein «Lego-Rennen». Ein Software-Chaos vor dem ohnehin verspäteten Start legte gleich mehrere Autos lahm. Die Formel 1 wurde Opfer ihrer eigenen Komplexität: Die vom Automobil-Weltverband FIA entwickelten Programme zur Motorensteuerung waren nicht auf die Langsamfahrt bei Nässe ausgelegt. Die Folge: Die Motoren wurden heruntergefahren. Verstappen klagte, dass sein Gaspedal nicht reagieren würde, Hamilton blieb stehen.
Was für eine Panne: Die Formel 1 wollte mit dem Hybrid-Reglement das Rennauto neu erfinden, hatte aber offenbar nicht jedes Wetter mitgedacht. Nikolas Tombazis von der FIA entschuldigte sich für den Systemfehler. Man habe nicht genügend Möglichkeiten gehabt, die Steuerelemente im Nassen zu testen, und sprach von einer Kombination unglücklicher Umstände, die die Software durcheinandergebracht habe. 20 Minuten dauerte es, bis das Update installiert war.
309 Tage liegen zwischen dem letzten Sieg von Max Verstappen und dem ersten in dieser Saison. Vielleicht war der 72. Erfolg seiner Karriere einer der wichtigsten. Denn mit dem unangefochtenen Erfolg unter schwierigen Bedingungen sorgte der Niederländer auch für den ersten Sieg des von Red Bull und Ford entwickelten Motors.
Ein Aufwärtstrend, der sich schon seit Wochen abzeichnet. Verstappen hat in den letzten vier Rennen allein mehr Punkte geholt als die Fahrerpaarungen von Ferrari und McLaren zusammen. Der 28-Jährige hat damit für sich und sein ganzes Team eine neue Perspektive geschaffen. Je komplizierter es wird, desto besser wird seine Leistung – Verstappen ist damit zum Vorbild für den ganzen Rennstall geworden.
Verstappen und sein Team haben technisch wie sportlich den Anschluss gefunden und könnten zum Störfaktor im Titelkampf werden. Mit seiner dominanten Leistung stahl der vierfache Weltmeister sogar Lewis Hamilton die Show, der es nach völlig verpatzter Anfangsphase mit dem Ferrari als Dritter doch noch aufs Podium schaffte.
Mercedes ist immer noch führend – aber Teamchef Toto Wolff war das Wochenende trotz des zweiten Platzes von Kimi Antonelli versaut. Schon das erste, späte technische Upgrade der Saison bei den Silberpfeilen hatte nicht annähernd wie erwartet funktioniert. Es ging eher rückwärts für das Werksteam.
Im Rennen lief es besser für Antonelli, der den Start gewann und sich danach sicher auf dem zweiten Platz hinter dem unantastbaren Verstappen einrichten konnte. Teamkollege George Russell, ebenso sicherer Dritter, blieb kurz vor Schluss mit einem Motorschaden liegen und ist nach eigener Einschätzung raus aus dem Titelkampf. Er hat jetzt 84 Zähler Rückstand auf seinen italienischen Teamkollegen: «Ich würde nicht sagen, dass es vorbei ist, aber es ist natürlich ziemlich wahrscheinlich.»