Elmar Brümmer | 12.10.2026
Max Verstappen im Red-Bull-Ford hat in Singapur eine eindrucksvolle Vorstellung gegeben: Triumph im Sprint, in der Qualifikation und im Grossen Preis. Schade, dass das Comeback so spät in diesem Rennjahr kommt. Denn ein Generationenduell mit Antonelli Rad an Rad, das würde die Weltmeisterschaft noch weiter aufwerten. So hat Antonelli schon beim nächsten Rennen einen – eher theoretischen — ersten WM-Matchball.
Verstappen fährt wieder wie zu seinen besten Zeiten. Zwei Siege innert einer Woche, die Nummern 72 und 73 seiner Karriere, unterstreichen, wie schnell Red Bull Racing technisch und organisatorisch aufgeholt hat.
Der Niederländer nutzt die Fortschritte konsequent. Sein kompromissloses Manöver gegen Charles Leclerc in der ersten Kurve passt ins Bild: Verstappen schenkt keinen Zentimeter her. Der fünfte WM-Titel ist für ihn derzeit weniger wichtig als der Beweis, dass er weiterhin der kompletteste Fahrer im Feld ist.
Zugleich schafft das späte Comeback eine bessere Ausgangslage für 2027. Schade nur, dass das Duell mit Antonelli erst so spät an Fahrt gewinnt.
Der 20-jährige Mercedes-Pilot steht dagegen vor seiner Krönung, obwohl sein Auto noch nicht wieder die ursprüngliche Stärke erreicht hat. Vor dem ersten Nordamerika-Rennen muss Mercedes entscheiden, ob Antonelli auf eine ältere Fahrzeugspezifikation zurückwechselt. Eine stärkere Motorenausbaustufe soll er in jedem Fall erhalten.
Für den ersten Matchball in Austin braucht es allerdings eine ungewöhnliche Konstellation: Bei dann noch fünf ausstehenden Rennen müsste Antonelli nach dem USA-Grand-Prix 125 Punkte Vorsprung haben. Derzeit liegt er 102 Punkte vor Teamkollege George Russell und 111 vor Lewis Hamilton. Antonelli müsste in Austin gewinnen, Russell dürfte höchstens Neunter werden, Hamilton maximal Fünfter.
Der Titel ist damit noch nicht in Reichweite. Doch Antonelli sammelt Argumente: In Singapur verteidigt er mit einem beherzten Manöver den dritten Platz und holt aus den Möglichkeiten seines Mercedes das Maximum heraus. Ein künftiger Weltmeister muss nicht in jedem Rennen der Schnellste sein. Er muss auch schwierige Wochenenden überstehen. Das ist die Tugend eines echten Champions. Die Zeit spielt für den 20 Jahre jungen Shooting Star.
Ferrari bleibt derweil hinter den Erwartungen zurück. Die Scuderia verfügt nach dem frühen Update-Spektakel in diesem Jahr nicht über genügend Geschwindigkeit, um im Endspurt wirklich dauerhaft ganz vorn mitzufahren. Charles Leclerc wird Zweiter, doch der Scuderia fehlt die Konstanz, um im Endspurt regelmässig um Siege zu kämpfen.
Fotos: Mercedes, Red Bull