Schweizer Berg-Meisterschaft 2026: Ein vielversprechender Saisonauftakt
Automobil Revue | 04.06.2026
Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude: Beim Anblick der Teilnehmerliste zum ersten Bergrennen des Jahres in Hemberg kommt man tatsächlich ins Schwärmen. Nicht nur, was der Kampf um den Tagessieg (bei den Rennwagen) betrifft, sondern auch was die Vielfalt bei den Tourenwagen angeht.
Das Warten hat ein Ende. Am 6. und 7. Juni findet in Hemberg SG der erste Lauf zur Schweizer Berg-Meisterschaft 2026 statt. Knapp 220 Teilnehmer und Teilnehmerinnen haben sich für das erste Rennen im Toggenburgischen eingeschrieben. Darunter auch 22 Piloten und Pilotinnen aus Deutschland, die wie schon im Vorjahr im Rahmen des KW Bergcup an den Start gehen.
Unter normalen Umständen wird alles auf einen Zweikampf zwischen dem amtierenden Rennwagen-Meister Robin Faustini und Herausforderer Marcel Steiner hinauslaufen. Obwohl Steiner seit über einem Jahr auch über einen Nova Proto verfügt, sind sich die beiden bisher noch nicht sehr oft mit «identischem» Material gegenübergestanden.
Nur in Anzère und Les Rangiers kam es zu einem direkten Duell – mit jeweils dem klar besseren Ende für Faustini. Im luxemburgischen Eschdorf vor wenigen Wochen sah man sich nur im Training, das Rennen wurde wegen eines tragischen Unfalls abgesagt.
Robin Faustini
Die Gemütslage bei den beiden schnellen Dreiliter-Piloten ist vor dem ersten Rennen ziemlich unterschiedlich. «Das Roll-Out, das wir vor Eschdorf in Bresse absolviert haben, hat mich zuversichtlich gestimmt», meint Steiner, der in Sachen Power auf Helftec Engineering vertraut. «Aber das war halt auf der Rundstrecke. Von Eschdorf habe ich nicht unbedingt gute Eindrücke nach Hause genommen. Also, werden wir mal schauen, wie es in Hemberg läuft und was wir am Samstag vielleicht noch testen können.»
Faustini, der mit einem Emap-Motor antritt, war in Eschdorf Trainingsschnellster. «Mehr Erfahrungen habe ich in diesem Jahr bisher nicht sammeln können. Ich hoffe, wir können dort weitermachen, wo wir 2025 aufgehört haben. Ich bin jedenfalls sehr entspannt und freue mich, dass es endlich losgeht. Am Sonntagabend werden wir mehr wissen.»
Marcel Steiner
Ob es in Hemberg zu einem reinen Zweikampf kommt, ist offen. Vielleicht ist auch Zweiliter-Pilot Michel Zemp in seinem Norma-Helftec der lachende Dritte. Der gebürtige Luzerner, 2025 Zweiter der Schweizer Berg-Meisterschaft, wurde in den vergangenen zwei Jahren in Hemberg jeweils Zweiter hinter Faustini.
«Der Belag hat im letzten Jahr keine Zeitenverbesserung ermöglicht», sagt Zemp. Das könnte dieses Jahr anders aussehen. Der Veranstalter hat gegenüber ASS bestätigt, dass die welligen Streckenpassagen abgefräst und neu asphaltiert wurden.
Michel Zemp
Noch nicht am Start ist Eric Berguerand. Der Walliser, siebenmaliger Schweizer Meister, hat zwar sein Comeback für 2026 angekündigt, wird aber im St. Gallischen (und auch in La Roche) fehlen. Der Motor bereitet ihm Kopfzerbrechen. «Ich habe ihn schon mehrmals ein- und wieder ausgebaut. Beim letzten Mal gab es ein Wasserleck. Im Moment ist der Motor wieder bei Motorentuner Mader.»
Statt Berguerand könnte in Hemberg Roland Bossy aus Sicht der Formelfahrzeuge eine Sensation schaffen. Der Routinier aus dem Jura wird mit seinem Formel-3-Tatuus nichts unversucht lassen, in die Nähe der Prototypen zu kommen. Auch die beiden Slalom-Asse Philip Egli (Formel 3) und Lionel Ryter (Formel Renault) werden sicher sehr weit vorne anzutreffen sein. Egli war im Vorjahr Dritter in Hemberg – mit (im schnellsten Lauf) nur 1,36 Sekunden Rückstand auf Zemp.
Die Strecke in Hemberg und das Programm
Mit 1758 Metern ist die Strecke in Hemberg die zweitkürzeste im Kalender. Nur Reitnau ist mit 1570 Meter noch einen Tick kürzer. 157 Meter Höhendifferenz müssen die Fahrer im St. Gallischen überwinden. Den absoluten Streckenrekord hält hält Marcel Steiner (aus dem Jahr 2023) in 51,70 Sekunden, das entspricht 122,41 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit. Die schnellste je gefahrene Tourenwagenzeit beträgt 57.22 sec und wurde von Reto Meisel (Mercedes-Benz SLK 340) 2022 aufgestellt.
Los geht es in Hemberg am Samstag ab 7.30 Uhr mit dem ersten Trainingslauf und am Sonntag (zur selben Zeit) mit dem ersten Rennlauf. Jede Klasse wird drei Renn- und vier Trainingsläufe austragen (sofern möglich). Die beiden schnellsten Zeiten am Sonntag werden addiert. Gegen 17 Uhr sollte am Sonntag das letzte Feld im Ziel eintreffen.
Gespannt darf man auch auf das Abschneiden von Ursanne Salomon sein. Der Sieger des Slaloms von Bure greift zum ersten Mal (nach dem nicht ganz geglückten Debüt am Gurnigel 2025) mit seinem von Bossy erworbenen F3-Dallara an.
Roland Bossy
Roger Schnellmann gibt bei den Tourenwagen sein Comeback
Spannend wird es auch bei den Tourenwagen. Wobei das Hauptaugenmerk auf Roger Schnellmann und seinem Mitsubishi Evo 8 Helftec liegt. Der Wangner gibt nach einem Jahr Pause sein Comeback – und das ausgerechnet bei seinem Heimrennen.
«Grundsätzlich fühle ich mich bereit», meint Schnellmann, der vor zwei Jahren eine 57er-Zeit fuhr. «Wir waren auch noch für einen Test in Anneau du Rhin. Wenn ich Vollgas gebe, habe ich im Kopf noch eine leichte Blockade. Die Angst, dass wieder etwas kaputt gehen könnte, ist noch da. Aber ich bin zuversichtlich.»
Roger Schnellmann
Ein anderer heisser Kandidat bei den Autos mit Dach ist der amtierende Tourenwagenmeister Danny Krieg. Der Schwyzer wird aber nicht wie erhofft mit seinem neuen Audi RS3 LMS an den Start gehen, sondern mit einem BMW E30 in der E1 über 3000 Kubikzentimeter. «Der Audi ist noch im Umbau», meint Krieg. «Ich hoffe, dass wir bis Reitnau fertig werden.»
Ob noch ein anderer Tourenwagenfahrer die Minuten-Marke knacken wird? «Speedmaster» ist mit seinem kürzlich in Bure frisch eingefahrenen Ford Escort Cosworth sicher ein heisser Kandidat auf einen Spitzenplatz.
Matthias Bischofberger
Und auch das Porsche-Trio Matthias Bischofberger, Frédéric Neff sowie Bruno Sawatzki muss man immer auf der Rechnung haben. Dazu gesellen sich noch zwei grosse Unbekannte: Da ist zum einen Ludovic Monnier auf dem ehemaligen VW Golf von Danny Krieg. Dessen Gesamtzeit von 2:03,00 min reichte im Vorjahr für den Gesamtsieg bei den Tourenwagen. Ob Monnier diese Zeit schlagen kann?
Ludovic Monnier
Und dann ist da neben Routinier Reto Steiner, auf den man auch immer ein Auge werfen muss, noch Neuling Remo Fischer (ebenfalls auf einem Ford Escort). Der in Küssnacht am Rigi wohnhafte Fischer hat beim Slalom in Bière überraschend die Tourenwagen-Bestzeit gefahren. Text: Auto Sport Schweiz
Remo Fischer
Termine Schweizer Berg-Meisterschaft 2026
6./7. Juni, Hemberg*
13./14. Juni, La Roche – La Berra*
28. Juni, Reitnau
25./26. Juli, Ayent – Anzère*
14.-16. August, St.Ursanne – Les Rangiers
29./30. August, Oberhallau*
12./13. September, Gurnigel
19./20. September, Châtel-St-Denis – Les Paccots
Die mit * versehenen Rennen zählen zur Schweizer Junior-Meisterschaft.