Automobil Revue | 27.08.2026
Mit der Neuen Klasse führt BMW eine erweiterte Generation von Sicherheits-Assistenzsystemen ein. Den Anfang machte der iX3, später sollen unter anderem i3, X5 und 7er von der neuen Technik profitieren. Entscheidend dabei: Die neuen Active-Safety-Funktionen gehören künftig bei mehreren Baureihen zur Serienausstattung. BMW will damit moderne Sicherheitstechnik nicht länger vor allem als kostenpflichtige Option anbieten.
Im Mittelpunkt steht ein Ansatz, bei dem die Systeme möglichst unauffällig arbeiten und nur in kritischen Situationen eingreifen. BMW fasst dieses Zusammenspiel von Fahrer und Elektronik unter dem Begriff «Symbiotic Drive» zusammen. Das Fahrzeug soll anhand von Lenkbewegungen, Blinker oder Schulterblick erkennen, ob ein Manöver bewusst eingeleitet wurde. Der Spurhalteassistent greift entsprechend nur ein, wenn ein unbeabsichtigtes Verlassen der Fahrbahn oder eine Kollisionsgefahr droht.
Eine der wichtigsten Neuerungen betrifft die Ausstiegswarnung. Sie soll sogenannte Dooring-Unfälle verhindern, bei denen eine Autotür mit einem herannahenden Radfahrer oder anderen Verkehrsteilnehmern kollidiert. Erkennt das Fahrzeug eine Gefahr, kann das elektronische Türschloss das Öffnen der Tür kurzzeitig verzögern.
Auch die Fahrassistenz wird erweitert. Neu ist ein Notfall-Lenkeingriff, der das Fahrzeug innerhalb der eigenen Spur an einem Hindernis vorbeiführen kann. Der Notbremsassistent soll neben anderen Verkehrsteilnehmern auch Tiere erkennen. Ergänzt werden die Systeme durch einen Aufmerksamkeitsassistenten mit Nothalt, der bei erkannter Fahrunfähigkeit das Fahrzeug kontrolliert zum Stillstand bringen und einen Notruf auslösen kann.
Ebenso erweitert BMW die Sicherheitsfunktionen beim Rangieren. Eine weiterentwickelte Park-Distance-Control kann vor und neben dem Fahrzeug bremsen, die Notbremsfunktion hinten soll beim Rückwärtsfahren vor querendem Verkehr schützen. Eine Anfahrüberwachung erkennt zudem mögliche Fehlbetätigungen des Gaspedals bei niedrigen Geschwindigkeiten.
BMW Neue Klasse: Ein zentraler Rechner für die Assistenzsysteme
Technische Grundlage der neuen Funktionen ist ein zentraler Hochleistungsrechner, den BMW «Superbrain of Automated Driving» nennt. Er bündelt die Fahr-, Park- und Sicherheitsassistenz und soll über eine rund 20-mal höhere Rechenleistung als das bisherige System verfügen.
Entwickelt und erprobt werden die Systeme unter anderem im 2023 eröffneten Future Mobility Development Center im tschechischen Sokolov.
Auf dem rund 600 Hektar grossen Gelände stehen BMW etwa 25 Kilometer Teststrecken zur Verfügung, auf denen sich Stadtverkehr, Autobahnfahrten und Parkmanöver unter reproduzierbaren Bedingungen simulieren lassen. Das Testzentrum ergänzt virtuelle Simulationen und Erprobungsfahrten im öffentlichen Verkehr.
Mit der Neuen Klasse erweitert BMW damit nicht nur den Funktionsumfang seiner Assistenzsysteme, sondern macht einen grösseren Teil davon zur Serienausstattung. Entscheidend für deren Akzeptanz dürfte neben der technischen Leistungsfähigkeit sein, ob die Assistenten tatsächlich nur dann eingreifen, wenn der Fahrer ihre Unterstützung braucht.