Der BMW M4 CS ist angesiedelt zwischen dem normalen M4 und dem streng limitierten Hardcore-CSL. Für Fahrten abseits der Rennstrecke ist das Gerät aber wahrlich heiss genug – und verschafft einem sogar Zutritt ins Innerste der exklusiven Geneva Supercarshow.
Aus dem BMW M3 und M4 wird immer mehr eine Art bayerischer Porsche 911: Mit jedem Modelljahr kommen weitere Varianten hinzu, damit garantiert jede Lücke gefüllt ist. Neben der M3 Limousine und dem M3 Touring gibt es das M4 Coupé und das M4 Cabriolet. Je nach Karosserieversion und Jahrgang mit 480 PS und Handschaltung, 510 PS mit Achtgang-Automatik und Hinterradantrieb oder 530 PS, Automatik und Allradantrieb. Dann legte BMW noch den streng limitierten und extrascharfen M4 CSL auf sowie den noch strenger limitierten und noch extraschärferen 3.0 CSL. Zwischen M4 CSL und dem «Basismodell» wurden dann die CS-Modelle angesiedelt: hardcore, aber im Alltag noch gut nutzbar.
Wie es der Zufall will, fällt unser Testzeitraum mit dem schlumpfblauen M4 CS genau auf den Besuch der Geneva Supercarshow. Ein standesgemässes Vehikel für den Besucherparkplatz, denken wir, und haben dabei nicht mit der Wirkung des Brutalo-Bayern auf die Veranstalter gerechnet. Dazu aber gleich mehr.
Carbon zur Gewichtsreduktion
Zuerst die Fakten. Als CS setzt der M4 auf ein überarbeitetes Fahrwerk mit neuen Federn, Dämpfern und Stabilisatoren, mehr Negativsturz an der Vorderachse, vier Kilogramm leichtere Felgen und eine optionale Domstrebe im Motorraum, die unser Testwagen an Bord hatte. Weitere vier Kilogramm spart der Endschalldämpfer aus Titan ein, 1.5 Kilogramm die Motorhaube aus Carbon. Ebenfalls aus Carbon bestehen Anbauteile wie der Frontsplitter, die Flics und die Spoilerlippe auf dem Heckdeckel. Insgesamt spart der CS 20 Kilogramm ein gegenüber einem M4 Competition. Vom CSL übernimmt der CS den gitterlosen Kühllufteinlass und die gelbe Tagfahrlichtsignatur. Hinzu kommen rote Akzente und eine nur teillackierte Motorhaube, wodurch das Carbon sichtbar wird.
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Den Innenraum des M4 CS garniert BMW mit Carbon-Schalensitzen, einem Mikrofaser-Lenkradkranz und weiteren Carbon-Zierteilen. Zudem entfällt die Armauflage in der Mittelkonsole zugunsten einer kleinen Handablage. Im Gegensatz zum CSL darf der CS die Rückbank behalten.
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Der Biturbo-Reihensechszylinder stemmt 550 PS und 650 Nm Drehmoment, genau wie im CSL. Damit beschleunigt der Allradler in 3.4 Sekunden von 0 auf 100 km/h und rennt maximal 302 km/h schnell; das M Drivers Package ist genauso serienmässig an Bord wie ein aktives Hinterachsdifferenzial.
Extrem angriffslustig und giftig
Im Gegensatz zum M4 CSL verzichtet der CS zum Beispiel auf die Kugelgelenke, die der M4 CSL im Fahrwerk verbaut hat, und setzt auf normale Gummilager. Aber gäbe es den CSL nicht, der CS könnte gut die Rolle des sportlichen Topmodells spielen. Ja, man kann ihn im Alltag gesittet fahren, wenn alle Systeme auf «Normal» geschaltet sind. Aber das wäre, wie wenn man sich das Chili con Carne mit den drei Chili-Symbolen auf der Karte bestellt und es dann in Crème fraîche ersäuft, weil es einem zu scharf ist.
Auf dem Weg nach Genf fahren wir durchs hügelige Hinterland. Also in den Sport-Plus-Modus schalten, den Getriebemodus in drei Stufen auf Attacke, und der M4 CS fängt Feuer. Jetzt ist er dermassen aggressiv und giftig, dass es eine wahre Pracht ist und einen genauso ins Schwitzen bringt wie besagtes Chiligericht. Der Reihensechser ist eine absolute Wucht, plustert sich ab knapp 3000 Touren noch einmal richtig auf, um einem seine Leistung um die Ohren zu hauen, dass alles zu spät ist. Immer begleitet vom Soundteppich aus Bellen, Turbozischen, Ansaugrauschen und Auspuffknallen. Legal? Irgendwie ja, aber fragen Sie uns nicht, wie.
Um Kurven biegt der M4 CS extrem zackig, lenkt ein, als würde man sich mit den Händen direkt am Asphalt abstossen. Für die Rennstrecke hält er den bekannten Driftmodus parat. Dabei wird die Kraft in Richtung Hinterachse geschickt und das ESP lässt ganz schöne Driftwinkel zu – in Stufen regelbar, damit man das Querfahren lernen kann. Der Drift Analyzer spuckt am Ende Driftzeit und -winkel aus.
Bayerisches Supercar
Der M4 CS stachelt einen permanent an, und für den gelegentlichen Rennstreckenbesuch ist er genau der richtige Partner. Mit einem normalen M4 ist man zumindest im Alltag zwar auch nicht schlechter angezogen, geschweige denn langsamer, aber darum geht es hier auch nicht. Denn der der CS hat noch ein weiteres Ass im Ärmel: Er hat mehr Präsenz, vor allem, wenn man ihn so bestellt wie unser Testwagen daherkommt. Als wir um 9 Uhr morgens bei der Geneva Supercarshow vorfahren und eben auf den Besucherparkplatz einbiegen wollen, winkt man uns bedenkenlos durchs Tor auf die Ausstellerfläche im Schlosspark. Ein solches Gerät scheint würdig zu sein, um zwischen Brabus-G-Klasse-Pick-up, Hispano-Suiza Carmen, Bentleys, Ferraris und Lamborghinis zu stehen. Keine Frage, der M4 CS legt einen prächtigen Auftritt an den Tag – ein Supercar aus Bayern.
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Dafür bezahlt man allerdings auch. Zum Basispreis von 189'200 Franken gesellen sich in diesem Fall noch ein paar Extras, sodass der Testwagenpreis auf 193'210 Franken klettert – Porsche-911-Territorium. Immerhin sind im Preis zehn Jahre kostenloser Service und fünf Jahre Mobilitätsgarantie enthalten, was auch nicht zu verachten ist. Für das Geld wird einem auch viel geboten – zum Beispiel der Zutritt zu hocherlauchten automobilen Kreisen.