Dort, wo der Laie nur «schnell bergab» sieht, beginnt ein kleines Rennen im Rennen. Eine Abfahrt ist pure Fahrdynamik. Wer zu früh einlenkt, steht am Kurvenausgang falsch. Wer zu spät bremst, verliert Linie, Tempo und im schlimmsten Fall die Kontrolle. Wer den Radius sauber öffnet, nimmt Schwung mit, spart Kraft und gewinnt Meter, ohne zusätzlich treten zu müssen. Das ist erstaunlich nah an dem, was man auf einer Rennstrecke lernt. Blickführung. Bremspunkt. Einlenkpunkt. Scheitelpunkt. Kurvenausgang. Lastwechsel. Grip. Vertrauen. Nur dass der Radprofi keinen Überrollkäfig, keine Slicks, keine Carbon-Keramik-Bremsen und keine Auslaufzone hat. Zwischen ihm und dem Asphalt liegen zwei schmale Reifen, ein Carbonrahmen, viel Mut und noch mehr Gefühl.
Warum viele Radstars auch Petrolheads sind
AR Redaktion | 20.06.2026
Achten Sie bei der nächsten TV-Übertragung der Tour de Suisse einmal darauf, wenn die Kameras eine schnelle Abfahrt (oder ein Zeitfahren) zeigen. Schauen Sie nicht nur auf Landschaft und Beine. Schauen Sie auf die Hände der Fahrer. Auf die Linie. Auf das feine Öffnen und Schliessen der Lenkung. Auf die Blickrichtung. Auf den Moment, in dem (an)gebremst wird. Auf den Punkt, an dem der Fahrer einlenkt. Auf den Scheitelpunkt. Und auf die Art, wie er aus der Kurve heraus wieder Geschwindigkeit aufbaut.
Im Auto spricht man von Fahrwerk, Traktion, Abtrieb, Reifenfenster und Bremsbalance. Auf dem Rennrad heisst das Ganze Körperposition, Reifendruck, Asphaltgefühl und Vertrauen. Im Sportwagen stabilisiert Elektronik, verteilt ein Differential die Kraft, arbeiten Dämpfer, Reifen und Bremsanlage an der Ideallinie mit. Auf dem Rad macht der Fahrer fast alles selbst. Er verlagert Gewicht, senkt den Schwerpunkt, bleibt locker in Schultern und Armen, öffnet Knie und Ellbogen, drückt das Rad in die Kurve und tastet sich an die Haftgrenze heran.
Die Grundregel bleibt dieselbe wie im Motorsport: Schnell ist nicht, wer einfach mutig ist. Schnell ist, wer sauber fährt. Wer weiss, wann Geschwindigkeit ein Gewinn ist – und wann sie zur Hypothek wird. Wer versteht, dass eine Kurve nicht am Eingang gewonnen wird, sondern am Ausgang. Dass ein guter Strich mehr bringt als ein wilder Reflex. Dass Präzision oft schneller ist als Aggression.
Porsche 911 GT3 und Audi RS6
Gerade deshalb ist die Nähe vieler Radprofis zu schnellen Autos weniger überraschend. Wer auf dem Velo mit 80 oder 90 km/h einen Alpenpass hinuntersticht, hat ein sehr feines Sensorium für Linie, Grip, Tempo und Risiko.
Einer, bei dem diese Parallele besonders sichtbar wird, ist Tadej Pogačar. Der slowenische Pedal-Mozart ist dreifacher Tour-de-France-Sieger, Weltmeister, Klassikerjäger, Bergzerleger. Nach menschlichem Ermessen gewinnt der Velo-Messi heuer auch die Tour de Suisse. Dem Velo-Messi wird immer wieder eine ausgeprägte Nähe zu sehr schnellen Autos zugeschrieben. Kolportiert werden unter anderem ein Audi RS 6 Avant GT und ein Porsche 911 GT3 RS – also keine rollenden Einkaufskörbe, sondern Maschinen mit deutlicher Rennstrecken-DNA. Der Unterschied liegt zu seinem Arbeitsgerät liegt nur im Motor: Im Audi RS 6 GT arbeiten 630 PS, im Porsche 911 GT3 RS 525 PS. Bei Pogačar sind es zwei Beine, ein Kopf und ein Gespür für Grip.
Auch andere Namen aus dem Peloton sind Fans schneller Autos. Mathieu van der Poel, Remco Evenepoel oder Michael Matthews gelten wie viele andere ebenfalls als Fahrer mit Sinn für Tempo, Technik und automobile Faszination. Auf den Social Media Kanälen der Automobil Revue sehen Sie, welche Rennfahrerinnen und Rennfahrer von welchem Auto träumen respektive sie schon besitzen.
Bilder: zVg
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