Studien am Mondial de l’Auto de Paris: Viel Vision, wenig Serie
Holger Holzer | 15.10.2026
Retro-Charme, variable Familienautos und elektrische Sportwagen: In Paris zeigen die Hersteller, wie sie sich ihre automobile Zukunft vorstellen. Nur wenige der spektakulären Entwürfe dürften tatsächlich in Serie gehen.
Citroën 2CV Concept
Vergangenheit als Inspiration, Zukunft als Versprechen: Vor allem die französischen Hersteller nutzen den Pariser Autosalon bis zum 18. Oktober für Designexperimente und neue Markenbotschaften. Die zehn Studien reichen vom elektrischen Kleinwagen über variable Familienautos bis zum 816 PS starken Sportwagen. Serienpläne gibt es allerdings nur für wenige.
Die wohl populärste Rückbesinnung liefert Citroën 2CV Concept. Die 3,76 Meter lange Elektro-Ente übernimmt zahlreiche Details des Originals, vom Stoffrolldach bis zu den markanten Rundscheinwerfern. Im Innenraum treffen eine durchgehende Sitzbank und ein nostalgischer Gangwahlhebel auf moderne Technik. Innerhalb der nächsten zwei Jahre soll das Modell für rund 15'000 Euro in Serie gehen, auch ein Kastenwagen ist geplant.
Citroën 2CV Concept
Mit dem Renault E-Space Concept erinnert Renault an den ersten Espace von 1984. Der 4,70 Meter lange Elektro-Van bietet sechs Einzelsitze, von denen sich die Plätze der zweiten Reihe drehen lassen. Das 1,13 Meter breite Panoramadisplay dürfte dagegen tatsächlich in Serie gehen: Renault will die Technik in künftigen Generationen von Rafale und Scenic einsetzen. Für den Van selbst gibt es bislang keine Produktionspläne.
Sportlicher fällt das Renault 8 Gordini Concept aus. Das 4,12 Meter lange Elektro-Coupé zitiert mit blauer Lackierung, weissen Streifen und sechs Rundscheinwerfern die Sportlimousine der 1960er-Jahre. Der Heckmotor leistet 199 kW (270 PS). Das Einzelstück soll später ins Renault-Museum umziehen.
Renault 8 Gordini Concept und Renault E-Space Concept. Zum Vergrössern anklicken!
Auch Fiat setzt auf Variabilität. Das Fiat Multiplay erinnert an den eigenwilligen Multipla und macht aus einem sechssitzigen Familien-Van bei Bedarf einen viersitzigen Pick-up. Das verschiebbare Heckmodul gibt eine Ladefläche frei, der Heckspoiler dient als Fahrradträger. Angaben zum Antrieb und konkrete Serienpläne fehlen.
Fiat Multiplay
Opel hält unterdessen am Kombi fest. Das knapp 4,70 Meter lange Opel STX Concept gibt einen Ausblick auf einen elektrischen Sports Tourer mit Allradantrieb und mehr als 200 km/h Höchstgeschwindigkeit. Der lange Dachverlauf und das steil abfallende Heck versprechen viel Stauraum. Reichweite und Batteriekapazität bleiben offen.
Einen direkten Astra-Nachfolger zeigt Opel nicht, einzelne Designelemente sollen aber in künftige Modelle einfliessen.
Opel STX Concept
Peugeot blickt gleich mit zwei Studien auf seine sportliche Vergangenheit. Der Peugeot E-T16 erinnert an den Rallye-205 T16 und setzt auf drei Elektromotoren mit zusammen 600 kW (816 PS). Tempo 100 soll nach 2,5 Sekunden erreicht sein, 300 km/h nach 16 Sekunden. Die 85-kWh-Batterie verspricht bis zu 400 Kilometer Reichweite. Mit dem neuen Lenkradkonzept und der Designsprache «Feline Future» gibt die Studie zugleich einen Ausblick auf kommende Serienmodelle.
Auch der Peugeot RCZ Vision lässt einen früheren Sportwagen wieder aufleben. Das elektrische Coupé leistet 368 kW (500 PS) und setzt auf eine experimentelle Festkörperbatterie. Damit sollen 600 Kilometer Reichweite und Ladezeiten von zehn Minuten für den Bereich von 10 bis 80 Prozent möglich sein. Ob der RCZ zurückkehrt, ist offen.
Peugeot ET-16 und RCZ Vision. Zum Vergrössern anklicken!
Alpine zeigt mit der A310 Vision einen besonders flachen Sportwagenentwurf. Die 4,55 Meter lange und nur 1,18 Meter hohe Studie basiert auf der neuen Alpine Performance Platform. Sie soll künftig eigenständige, tief bauende Sportwagen ermöglichen. Eine Serienversion ist nicht vorgesehen.
Alpine A310 Vision. Zum Vergrössern anklicken!
Bei Alfa Romeo steht die Antriebsvielfalt im Zentrum. Das flache, fünftürige Alfa Romeo Cuorerosso erinnert an das Coupé Brera und bietet Platz für vier Personen. Die zugrunde liegende Plattform soll Elektroantriebe ebenso ermöglichen wie Mild-, Voll- und Plug-in-Hybride. Selbst ein V6-Hybrid mit Allradantrieb wäre denkbar.
Ein konkretes Serienmodell kündigt Alfa Romeo nicht an.
Alfa Romeo Cuorerosso
Mit dem DS F3ver Concept schliesslich sucht die Stellantis-Marke nach einer eigenständigeren Identität. Der 4,19 Meter lange Hatchback bietet 400 Liter Kofferraumvolumen und setzt auf eine markante Lichtsignatur. Zum Antrieb macht DS keine Angaben; bei einer möglichen Serienversion wäre ein reichweitenstarker Elektroantrieb vorgesehen.
Die Studien zeigen, wie unterschiedlich die Marken ihre Zukunft interpretieren: Citroën setzt auf Einfachheit und Nostalgie, Renault und Fiat auf neue Raumkonzepte, Opel auf den Kombi und Peugeot sowie Alpine auf Sportlichkeit. Alfa Romeo betont die Antriebsvielfalt, DS das Design.
Für die meisten Entwürfe ist der Weg in die Serie allerdings noch offen. Paris ist damit vor allem eine Bühne für Ideen – und für die Suche nach einem unverwechselbaren Markenprofil. SP-X/AR