Automobil Revue | 27.07.2026
Ford und der chinesische Autobauer Geely bündeln ihre Kräfte in Europa. Die beiden Unternehmen haben die Gründung eines gemeinsamen Produktionsunternehmens am Ford-Standort im spanischen Valencia angekündigt. Ab 2028 sollen dort neue Multi-Energy-Modelle für den europäischen Markt entstehen.
Unter Multi-Energy sind dabei Fahrzeugplattformen zu verstehen, die für einen rein elektrischen Antriebsstrang geeignet sind, aber auch den Einsatz von (Hybrid-)Verbrennertechnik erlauben, um so in Ländern mit geringer Elektronachfrage entsprechend am Markt auftreten zu können.
Mit der Kooperation wollen Ford und Geely ihre Produktionskapazitäten besser auslasten und die Kosten pro Fahrzeug senken.
Das Joint Venture soll vorbehaltlich behördlicher Genehmigungen im ersten Halbjahr 2027 den Betrieb aufnehmen. Ford bleibt mit 66 % Mehrheitseigner, Geely hält 34 %. Bis zum Produktionsstart neuer Modelle wird das Werk weiterhin den Ford Kuga fertigen.
Valencia gehört seit 50 Jahren zum europäischen Produktionsnetz von Ford. Das Werk wurde 1976 eröffnet und fertigte unter anderem den ersten weltweit vertriebenen Ford Fiesta mit Frontantrieb. Heute verfügt der Standort über eine potenzielle Kapazität von rund 500’000 Fahrzeugen pro Jahr und soll künftig zu einem gemeinsamen Produktionszentrum für elektrische und elektrifizierte Fahrzeuge mit unterschiedlichen Antriebskonzepten werden.
Ford und Geely in Valencia: Neue Modelle ab 2028
Die geplante Modellpalette umfasst Fahrzeuge beider Marken. Ford will in Valencia unter anderem einen neuen kompakten Bronco für Europa produzieren. Der robuste SUV soll ab 2028 vom Band laufen und auf die Bedürfnisse europäischer Kunden zugeschnitten sein. Ebenfalls für 2028 angekündigt ist ein neuer Familien-Crossover, der von Ford entwickelt und gemeinsam mit Geely produziert wird. Das Modell ist Teil einer Produktoffensive, mit der Ford bis 2029 fünf neue Multi-Energy-Fahrzeuge in Europa einführen will.
Geely plant seinerseits die Fertigung von zwei Elektro-SUV in Valencia. Die Modelle sollen ab 2028 entstehen und die Expansion der Marke auf dem europäischen Markt unterstützen.
Die Zusammenarbeit ist nicht die erste Verbindung zwischen den beiden Unternehmen. Bereits 2010 verkaufte Ford die schwedische Marke Volvo Cars an Geely. Seitdem hat der chinesische Konzern die Marke weiterentwickelt und international ausgebaut.
Mit der Kooperation verfolgt Ford seine Strategie, in Europa stärker auf Partnerschaften zu setzen, um Entwicklungskosten zu reduzieren und schneller auf den Wandel des Marktes reagieren zu können. So entstanden die Modelle Ford Explorer und Capri durch Übernahme der VW-Elektroplattform.
Geely wiederum erhält mit Valencia eine europäische Produktionsbasis für seine eigenen Modelle. Beide Hersteller setzen dabei auf eine Mischung aus Elektro-, Hybrid- und weiteren Antriebstechnologien – entsprechend der unterschiedlichen Nachfrage in den europäischen Märkten.